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Schützenjugend

Das Schützenwesen war von je her alleinige Angelegenheit der erwachsenen Männer. Dies war auch durchaus nachvollziehbar, denn schließlich ging es um das Einüben von Schießfertigkeiten zur Verteidigung des Dorfes. Diese militärische Bedeutung verlor das Schützenwesen jedoch schon zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die Bruderschaft hielt aber an ihren Traditionen fest. Insbesondere ab den 1870-er Jahren imitierten die Schützen mit ihrem Schützenfestzeremoniell den preußischen Militarismus des Kaiserreiches. Das Schützenfest erhielt einen strengen militärischen Charakter und war damit weiterhin reine Männersache.

Parallel zur St.-Sebastianus-Bruderschaft gründete sich, wie auch in anderen Orten, Anfang des 19. Jahrhunderts eine Junggesellenbruderschaft, die bis zum I. Weltkrieg ihr eigenes Schützenfest veranstaltete. In diese eigene Bruderschaft fanden dem Selbstverständnis entsprechend die unverheirateten, jüngeren Männer Aufnahme. Kinder und Jugendliche waren zu den Festen nicht zugelassen. Dies hinderte jedoch insbesondere die Jungen nicht daran, ihren Vätern nachzueifern. So finden sich schon in den 1920-er Jahren Kindervogelwerfen, die von der Kompanie Heide organisiert wurden, und 1933 gab es gar ein eigenes großes Kinderschützenfest. Der Wunsch der Kinder, es den Vätern gleich zu tun, war damit immer schon gegeben.

Mit der Wiederaufnahme der Schützenfeste 1955 wurden auch ältere Jungen in die Schützengruppen aufgenommen. Eigene Kinderschützengruppen bildeten sich jedoch in den ersten Jahren noch nicht. Dies änderte sich erst 10 Jahre später. Fast zeitgleich bildeten sich zur Mitte der 1960-er Jahre mit der Kindergruppe der Kompanie Heide und den Tellschützen der Kompanie Bovert erste eigenständige Kindergruppen. Diese Gruppen wurden jeweils ca. 6 Wochen vor dem Schützenfest zusammengestellt und lösten sich nach Ende des Festes wieder auf.

Wie alles Neue, sorgte auch diese Neuerung anfänglich für Aufregung. So stießen diese Kindergruppen auf sehr unterschiedliche Reaktionen. Mancher Schütze lehnte die Gruppen mit dem Hinweis ab, dass man schließlich kein „Kindergarten“ sei, wobei stets auf den militärischen Charakter des Festes verwiesen wurde. Eher mürrisch nahm man dabei zur Kenntnis, dass die Kinder- und Jugendgruppen bei den Zuschauern dagegen von Beginn an große Zustimmung fanden. Diese Vorbehalte haben sich bei den meisten Schützen aber nach 40 Jahren gelegt.

Die in den Vorständen der größeren Gruppierungen Verantwortung tragenden Schützen erkannten allerdings zunehmend die Bedeutung der Jungschützengruppen als wichtiges Element der Nachwuchswerbung, denn man musste zur Kenntnis nehmen, dass Erwachsene immer seltener zu den Schützen finden. War das Heimat- und Schützenfest in den 1950-er und 1960-er Jahren fast die einzige größere Aktivität im Dorf, sieht sich das Schützenbrauchtum heute in starker Konkurrenz zu einer fast unüberschaubaren Vielfalt an Freizeitangeboten. Die Katholische Jugend, aus deren Reihen bisher manche Schützengruppe hervor gegangen war, fiel als Partner seit den 1980-er Jahren zunehmend aus. Die Schützen mussten sich daher verstärkt selber der Kinder- und Jugendarbeit annehmen.

Heute gehören die Kinder- und Jugendgruppen, wie die Tellschützen, die Kindergruppen der Kompanie Heide, die Armbrustschützen OTV, der Landwehr-West, der Landsknechte Dorfmitte und der Roten Friderizianer, der 3. und 4. Osterather Rebellenzug, der Jägerzug „Grüne Seele“, die Vogelträgergruppe oder das Kadettenkorps der Ehrengarde zum festen Bestand des Osterather Schützenregimentes. Dies ist eine stattliche Zahl.

Aber die großen Jugendgruppen sehen ihre Aufgabe nicht alleine in der Feier des Schützenfestes alle zwei Jahre. Aus den sich zum Schützenfest spontan bildenden Kindergruppen entwickelten sich seit Anfang der 1980-er Jahre beständige Jugendgruppen mit einem festen Mitgliederstamm. Auch wandelte sich zunehmend das Selbstverständnis der Jungschützengruppen. Verstanden sie sich bisher vorwiegend als „Schützenfest-Feiervereine“, so entwickelten sie sich nun zu eigenen Jugendgruppierungen mit einem allgemeinen, jugendpflegerischen Programm. So gehören Fahrradtouren und Bastelnachmittage, Ausflüge, Kartoffelfeuer und Weihnachtsfeiern zum festen Programm.

Auf Initiative des damaligen Brudermeisters Karl Theo Schöndeling formierte sich die St.-Sebastianus-Schützenjugend als selbstständig arbeitender Jugendverband innerhalb der St.-Sebastianus-Bruderschaft. Alle großen Jugendgruppierungen schlossen sich, soweit sie nicht eh schon zur Bruderschaft gehörten, der Schützenjugend an. Eingebunden in die Organisationsstrukturen des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, gehört die St.-Sebastianus-Schützenjugend als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend an.

Ausgestattet mit einem eigenen Jugendvorstand, und geleitet von gewählten Jungschützenmeistern, gestalten sie ihr Jahresprogramm selbstständig. Zu den Höhepunkten im Jahreskalender gehört das Kinderschützenfest, dass jährlich im Juli gefeiert wird. In dessen Rahmen werden abwechselnd der Kinder- und der Jugendkönig bzw. –königinnen ermittelt. Hierbei gilt es, entsprechend dem Vorbild der „großen“ Schützen, einen Vogel mit der Armbrust von der Stange zu holen. In einem Punkt unterscheiden sich die Vogelschießen der Jungschützen allerdings ganz wesentlich von den Vogelschießen der Erwachsenen. Bei 120 teilnehmenden Kindern gibt es stets auch 120 hoch motivierte Anwärter/-innen auf den Königsthron.

Seit einigen Jahren organisiert die St.-Sebastianus-Schützenjugend darüber hinaus auch zusammen mit dem Katholischen Kindergarten St. Nikolaus und dem Kinderchor „Die Nikolausspatzen“ zum Namensfest das Pfarrpatrons eine große Nikolausfeier in der Kirche.

Mit der Zulassung von Kindergruppen handelten sich die Schützen allerdings ein Problem ein, dass man in den 1960-er Jahren in seiner folgenschweren Tragweite und Problematik noch nicht erkannte: - Mädchen und Frauen. Die Diskussionen hierum sind exakt so alt, wie der Heimat- und Schützenbund insgesamt. So brachen noch eine Woche vor dem ersten Schützenfest 1955 heftige Diskussionen im Festkomitee darüber aus, ob man die Ehefrauen des Königs und der beiden Minister zum Fest zulassen sollte. Erst als der damalige Minister Oellers mit seinem sofortigen Rücktritt drohte, lenke Präsident Erich Bacher schließlich ein. Tatsächlich aber beschränkte sich die Beteiligung der Frauen in den Folgejahren auf die Mitwirkung im Hofstaat.

Dieses klassische Rollenverständnis blieb bis Ende der 1960-er Jahre stabil und damit die Männer weitgehend unter sich. Ab den 1970-er Jahren, der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung entsprechend, wurden die Diskussionen für die im Schützenwesen aktiven Familienväter in den häuslichen vier Wänden jedoch immer schwieriger. Mit welcher Begründung gestanden sie dem Sohn die aktive Teilnahme am Schützenfest zu, während sie diese der Tochter strickt untersagten? Bei diesen leidenschaftlich geführten Diskussionen konnten die Männer nur selten auf die Unterstützung ihrer Ehefrauen bauen.

Zusätzlich schwierig wurde die Situation, da sich die aktiven (männlichen) Schützen in der überwiegenden Zahl aller Fälle nicht in der Lage sahen, Kindergruppen zur leiten. So gab und gibt es gleich eine ganze Reihe von Schützengruppen, die die Gründung einer Nachwuchsgruppe zwar für überlebensnotwendig halten, aber keinen geeigneten Jugendwart in den eigenen Reihen finden. Mit Männern und Frauen, die sich dieser Arbeit annehmen, steht und fällt aber alle Jungschützenarbeit. Die starke Zurückhaltung hat dabei durchaus ihre Berechtigung, denn hinter jeder Kinder- und Jugendgruppe steckt eine ausgefeilte Organisation und Logistik. Kaum ein Kleidungsstück kann geliehen werden. Viele Trachten werden selber genäht. Fahrdienste müssen organisiert und Aufsichtspflichten detailliert abgesprochen werden. Mancher Zugführer erklärte schon hinter vorgehaltener Hand, dass er lieber drei Schützenzüge, als eine Kindergruppe leiten wolle.

Notgedrungen musste man daher die Leitung der Jugendgruppen Frauen überlassen, was zu erheblichen juristischen Problemen führte, denn es stellte sich nun die Frage, auf welche Weise man Frauen eine entscheidende, verantwortungsvolle Rolle im Schützenzug zuweisen könne, ohne dass man gezwungen war, sie als Mitglied aufnehmen zu müssen. Diese mit großer Leidenschaft geführten Beratungen fanden nicht nur während der Versammlungen statt, sondern wurden auch am heimischen Küchentisch weitergeführt, was die Angelegenheit nicht unbedingt vereinfachte. Mit Hinweis auf die jahrhundertealten Traditionen und den streng militärischen Charakter des Schützenfestes stellten die Männer überzeugend dar, dass das Schützenwesen reine Männersache sei – und die Mädchen wurden in die meisten Jugendgruppen aufgenommen.

Die Lage hat sich für die meisten Schützengruppen aber längst entspannt. Heute stellen die Mädchen in den Jungschützengruppen mehr als die Hälfte aller Mitglieder. Dabei wurde die obere Altersgrenze für Mädchen auf 16 Jahre festgelegt, in der Hoffnung, dass das Interesse am Schützenwesen dann schlagartig nachlässt.

Stellten die ersten Jungschützengruppen nur einen nett anzusehenden Beitrag im Festzug dar, bilden sie heute das Fundament für den Fortbestand des Schützenwesens. Schließlich sollen sie die Idee des Schützenwesens, das Eintreten für „Glaube, Sitte und Heimat“, in die nächste Generation tragen. Darüber hinaus sind sie längst zu einem wichtigen Element der Jugendpflege geworden.

Eine Jugendwartin stellte vor einiger Zeit einmal fest: „Wenn ein Erwachsener später einmal zurück blickt und sagt, ‚Bei den Jungschützen, das war eine tolle Zeit!’, dann hat sich die viele Arbeit gelohnt.“

Wohl wahr!

In Anerkennung des besonderen Engagements der Jungschützen im Osterather Schützenregiment und zur Förderung der Jugendschützenarbeit ermittelte der Heimat- und Schützenbund, erstmalig für das Schützenjahr 1998/2000 einen Jungschützenkönig. Jeder aktive Jungschütze kann die Jungschützenkönigswürde mit Vollendung des 16. Lebensjahr erwerben, sollte jedoch nicht älter 22 Jahre sein. Das Interesse an der Jungschützenkönigswürde ist groß und ist damit ein fester Bestandteil unserers großen, alle zwei stattfindenden Schützenfestes geworden.